Ein Welpe erzählt

Ein Welpe erzählt! – von Anja Fritschke

Gismo von Ausbilderin Anja

Gismo von Anja

Nach meiner Geburt bin ich noch 8-10 Wochen mit meiner Mutter und meinen Geschwistern zusammen. In dieser Zeit lernte ich von meiner Mutter meinen Schlafplatz sauber zu halten, mich spielerisch gegen meine
Geschwister durchzusetzten und langsam meine nähere Umgebung zu erkunden.
Heute ist der Tag, an dem ich ein neues Zuhause bekomme.

Die Leute die gerade kommen, die kenn`ich schon, die waren schon oft zu Besuch bei uns und dadurch kenn`ich den Geruch und die Stimmen. Sie scheinen nett und in Ordnung zu sein, denn heute, heute darf ich mit ihnen mit. Behutsam in eine Hundebox gepackt, die mit Decken und einem – meinem – Kuscheltier weich ausgelegt ist, trete ich mit einem etwas mulmigen Gefühl meine erste Autofahrt an. Mir läuft auf einmal vermehrt der Speichel, im Bauch bekomme ich so ein komisches Gefühl – UPS, ich musste mich übergeben. Dass es so hobbelt und schwankt beim Autofahren hätte ich nicht gedacht, da muss ich mich erst dran gewöhnen.
In meinem neuen Zuhause kümmern Sie sich rührend um mich. Sie betütteln und umsorgen mich fast wie ein Baby, aber für mich ist trotzdem alles so fremd, nichts erinnert mich an zuhause. Der Geruch von Mama fehlt mir und das Spielen, Kuscheln und gemeinsame Schlafen mit meinen Geschwistern auch. Zum traurig sein, ausruhen und schlafen zieh`ich mich in mein Körbchen zurück, das kuschelig eingerichtet an einem stillen Platz ganz für mich alleine steht. Ihr müßt wissen, dass ich die ersten Wochen noch viel Schlaf und Ruhe brauche um körperlich und geistig gedeihen zu können.

Nach einigen Tagen gewöhne ich mich langsam an die neuen Menschen und mein neues zuhause und unser Zusammenleben wird immer besser und angenehmer.
Damit das weiter so bleibt wurden Rituale eingeführt wie z.B.:
dass ich kurz nach dem Fressen nach draußen ins Grüne gebracht werde, wo ich meine schon wieder volle, drückende Blase und den Darm entleeren kann.
Nach ein paar Tagen mache ich die Feststellung, wenn ich eine Notdurft verrichten muß und zu Herrchen gehe, winsle oder fibse und nervös herumlaufe, dann werde ich nach draussen gebracht und ganz dick/doll dafür gelobt, wenn ich mein Geschäft dann verrichte. Das gefällt mir gut, das mach ich jetzt immer so, denn es ist angenehmer im Grünen zu „machen“ als auf die ausgelegten Tücher oder Papier in der Wohnung und dem Haussegen tut es auch gut:-)

Weiterhin mußte ich feststellen, dass auch die Wohnung immer bekannter und interessanter wird, denn da gibt es wahnsinnig viel zu entdecken und zu spielen.
An den Möbelkanten, dem Tisch- und Stuhlbein und am Sesseleck kann man prima dran kratzen und knabbern und wenn man an der Wand kratzt fliegen die Fetzen, auf denen ich auch noch rumknabbern kann. 🙂 DASS MACHT SPASS! 🙂
🙁 Oh, irgend etwas stimmt nicht, denn ich werde geschimpft und weiß gar nicht warum, ich versteh das nicht.
Ich bekomme mein eigenes Spielzeug:
– ein Kuscheltier zum schlafen und rumschleifen in der Wohnung, anstatt einen rumliegenden Schuh zu maltretieren
– einen Wurfball zum hinterher rennen, wenn er geworfen wird
– eine Beißwurst zum zerren und spielen mit Herrchen
– ein Schweineohr oder ein Stück Ochsenziehmer oder `nen Kauknochen, damit ich mir die Langeweile damit vertreiben kann und die Möbelkanten und Tischbeine in Ruhe lasse.
Pssst, soll ich euch was verraten?! Ich hab`eine Schatztruhe und in der Schatztruhe befinden sich all meine Spielsachen. Ist das nicht toll.

Allmählich gefällt mir mein neues Leben immer besser.
Unsere Ausflüge ins Grüne beschränken sich nun auch nicht mehr nur auf das eine Stück Grün, sondern werden erweitert in kleine Spaziergänge und wow, auch da gibt es wieder viel Neues zu erfahren und zu entdecken. Beispielsweise wird an meinem Halsband ein Ding Namens „Leine“ befestigt. Anfangs wehre ich mich dagegen, laufe zurück, ziehe dadurch automatisch an der Leine, erschrecke darüber und gehe noch mehr zurück. Mensch ist das ein blödes, störendes Ding, aber allmählich gewöhne ich mich daran.
Mit der Zeit wird auch langsam die Verständigung zwischen uns besser. Ich beginne die Bedeutung von Wort durch Wortlaute und Belohnung  nach gewünschtem Tun zu begreifen. Sehr schnell wusste ich meinen Namen. Wie, das sag`ich euch jetzt. Mein Name wurde gerufen, ich reagierte erst auf den Ruf mit schauen und wurde dafür gelobt, also reagierte ich jetzt immer öfter auf den Ruf und wurde wieder und wieder heftig gelobt und ruck zuck wusste ich, dass ich damit gemeint bin. Kam ich dann auch noch gelaufen wurde „Komm“ gesagt. Wieder über Loben und Belohnung hatte ich sehr schnell die Verknüpfung zu diesem Befehl. Ebenso erlernte ich die Befehle „Aus“ / „Pfui“ und „Nein“.

Unser Hauptproblem war am Anfang, dass „Mensch“ nicht daran dachte, dass ich erst die Bedeutung der Worte erlernen muss und , dass „Mensch“ den Hund lesen lernen muss.

Die Kommunikation zwischen ihnen und mir wird langsam auch besser.
Viele Menschen denken oft nicht daran, dass „Hund“ erst die Bedeutung der Worte erlernen muss, genauso wie „Mensch“ den Hund lesen lernen muss.

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